Wertminderung (merkantiler Minderwert)

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Begriffserklärung der Wertminderung / technischer und merkantiler Minderwert

Allgemeines zur Wertminderung:

Als Grundlage oder auch Geburtsstunde der merkantilen Wertminderung oder technischen Wertminderung ist wohl das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 28.01.1958 anzusehen, in diesem Urteil wurde die technische Wertminderung sowohl die merkantilen Wertminderung wie folgt unterschieden:

Die technische Wertminderung:

Die technische Wertminderung beschreibt einen Wertverlust des Kraftfahrzeuges durch technische Mängel trotz einer durchgeführten Instandsetzung. Diese Mängel können sich auf die Betriebssicherheit die Lebensdauer, die Gebrauchsfähigkeit oder das äußerliche Ansehen des Fahrzeugs auswirken. Aufgrund der heutigen modernen Reparaturmethoden ist in den meisten Fällen von einer einwandfreien Reparatur auszugehen und somit wird die technische Wertminderung nur noch in seltenen Fällen angewendet. Ein Beispiel für eine technische Wertminderung, im Bezug auf das äußerliche Aussehen, wäre zum Beispiel ein entstehender Farbtonunterschied bei einer Lackierung. Im Zuge einer Reparatur wurde ein Bauteil nachlackiert, der Farbton des neu lackierten Bauteils passt nicht mehr zu dem Farbton der umliegenden Bauteile. der Geschädigte muss diesen Zustand nicht hinnehmen und kann hierfür eine technische Wertminderung verlangen. Wie dieses Beispiel zeigt kann der Sachverständige eine technische Wertminderung immer erst nach einer erfolgten Reparatur erkennen und bewerten.

Die merkantile Wertminderung:

Trotz einer technisch fehlerfreier Reparatur des Kfz kann dessen Wert durch den Unfall gemindert sein, da man ab diesem Zeitpunkt von einem Unfallfahrzeug spricht. Im Falle eines späteren Verkaufs kann das Fahrzeug unter Umständen einen geringeren Erlös erzielen als ein unfallfreies Fahrzeug. Die merkantile Wertminderung entspricht hier der Reduzierung des möglichen Verkaufspreises. Folgendes Beispiel veranschaulicht die merkantile Wertminderung besonders schön: Zwei Fahrzeuge des gleichen Typs mit exakt gleicher Laufleistung stehen zu einem Preis von 20.000 € zum Verkauf. Das eine Fahrzeug hat einen einwandfrei instandgesetzten Heckschaden, die Reparaturkosten lagen hier bei 10.000 €. Das andere Fahrzeug ist nachweislich vollkommen unfallfrei. Jeder Käufer wird, wenn beide PKWs das gleiche kosten, immer den unfallfreien Wagen wählen. Das instandgesetzte Fahrzeug hingegen ist nur dann zu verkaufen wenn ein gewisser Preisnachlass berücksichtigt wurde. Denn bei einem Verkauf des Fahrzeuges, ist der Verkäufer verpflichtet den Käufer über Unfallschäden am Fahrzeug zu unterrichten. Daraus kann sich unter Umständen ein verminderter Kaufpreis bis hin zur Kaufablehnung ergeben.
Ein potentieller Käufer kann Bedenken hinsichtlich zweier Punkte haben:
Erstens besteht immer die Besorgnis verdeckter Schäden, welche nicht erkannt und somit nicht repariert wurden.
Zweitens bestehen Bedenken gegenüber der Reparaturdurchführung selbst, da auch von einem Fachmann die Dauerhaftigkeit einer augenscheinlich fachgerechten Reparatur nicht eingeschätzt werden kann.
Bei einer erfolgten Nachlackierung wird sich jeder Kaufinteressent fragen:
Blättert die Lackierung nach gewisser Zeit ab?
Bleibt das Glanzbild der Lackierung erhalten?
Bekommt die Lackierung irgendwann Risse?
Fällt der Lack eines Tages ein?
Werden früher oder später Bearbeitungsspuren sichtbar?
Wurde der Korrosionsschutz bei der Reparatur verletzt?
Eine merkantile Wertminderung entspricht somit der Kaufpreisminderung die nötig ist um einen Kaufanreiz gegenüber einem gleichwertigen unfallfreien Automobil zu bieten. Der Minderwert ist ein fiktiver Wert und wird durch den Sachverständigen im Gutachten gesondert ausgewiesen. Schadenumfang wie auch das Fahrzeugalter werden hierbei berücksichtigt.

Wie wird die merkantile Wertminderung berechnet:

Für die Berechnung der merkantilen Wertminderung existieren diverse Berechnungsmethoden die allein nie zu einem einwandfreien Ergebnis führen können. Denn es obliegt es dem Sachverständigen mithilfe seiner Kenntnis des örtlichen Marktes, der Gängikeit des jeweiligen Fahrzeugtyps und der fahrzeugspezifischen Besonderheiten eine exakte Wertminderung zu bestimmen. Die diversen Berechnungsmethoden sind lediglich ein ungefährer Wegweiser für eine mögliche Entschädigung. Derzeit existieren ungefähr 10 Berechnungsmethoden, von denen jedoch einige heutzutage nicht mehr verwendet werden. Auf unserer Seite Merkantile-Wertminderung stellen wir Ihnen alle bekannten und gängigen Berechnungsmethoden vor. Aus unserer Erfahrung jedoch sind die Berechnungsmethoden Hamburger Modell, Ruhkopf Sahm Modell und Bremer Modell die 3 wichtigsten Methoden, um für den Geschädigten den bestmöglichen Schadensausgleich zu bemessen. Die Berechnungsmethode MFM (Marktrelevanz und Faktorenmethode) ist ebenfalls eine der neueren Methoden, die jedoch bevorzugt von der Versicherungswirtschaft verwendet wird, da diese in diversen Fällen eine sehr geringe Wertminderung für den Geschädigten erzielt.

Merkantile Wertminderung hier online berechnen:

Um Ihnen ein Gefühl für eine entstehende Wertminderung zu geben bieten wir Ihnen auf unserer Seite „Online-Wertminderungsrechner“ die Möglichkeit mit allen bekannten Berechnungsmethoden Ihre Wertminderung einfach, schnell und vollkommen kostenfrei zu berechnen. Bitte beachten Sie jedoch, dass diese Onlineberechnung lediglich ein Richtwert darstellt. Die Bemessung einer entsprechenden Wertminderung obliegt rein dem Sachverständigen und kann bei der Wahl eines freien und unabhängigen Sachverständigen gegebenenfalls für sie sogar noch bessere Ergebnisse erzielen.

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