Fiktive Abrechnung im Haftpflichtschaden

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Was versteht man unter einer fiktiven Abrechnung im Haftpflichtschadenfall?

Die Versicherung hat Reparaturkosten für die Beschädigung des Fahrzeugs grundsätzlich in der tatsächlich anfallenden Höhe oder in der durch ein Gutachten ermittelten Höhe zu zahlen. Der Geschädigte kann entweder verlangen, dass sein Fahrzeug durch eine Instandsetzung wieder in den Zustand versetzt wird, in dem es sich vor dem Unfall befand oder sich die dafür benötigten Reparaturkosten ausbezahlen lassen (fiktive Abrechnung).

Entscheidet sich der Geschädigte, die ermittelten Reparaturkosten auszahlen zu lassen, spricht man von einer fiktiven Abrechnung. Hierfür benötigen Sie ein Gutachten, denn eine fiktive Abrechnung erfolgt auf der sogenannter Gutachtenbasis. Die entsprechenden Kosten für das Gutachten sind ebenfalls von der Versicherung zu übernehmen.

Im folgenden Absatz erfahren Sie, wie Sie eine fiktive Abrechnung durchführen, was Sie für dafür benötigen und was zu beachten ist.

Fiktive Abrechnung beim Haftpflichtschaden
Was bedeutet fiktive Abrechnung?

Was benötigen Sie für eine fiktive Abrechnung?

Wenn Sie sich entschieden haben, sich Ihren entstandenen Schaden ausbezahlen zu lassen, benötigen Sie hierfür eine genaue Ermittlung der Reparaturkosten. Diese können Sie entweder mithilfe eines Kostenvoranschlags oder mit einem Gutachten erhalten.

Wobei jedoch im Haftpflichtschadenfall das Kfz-Gutachten einem Kostenvoranschlag gegenüber immer vorzuziehen ist. Das Kfz-Gutachten weist Ihnen präzise die anfallenden Reparaturkosten aus. Auf Basis des erstellten Gutachtens, können Sie dann eine fiktive Abrechnung bei der Versicherung geltend machen.

Wie führen Sie eine fiktive Abrechnung durch?

Sobald Sie das Kfz-Gutachten in Händen halten, reichen Sie dieses an die regulierende Versicherung weiter und verlangen eine fiktive Abrechnung auf Basis der ermittelten Reparaturkosten. Sie müssen hier keinerlei Bedenken haben, sich das Geld ausbezahlen zu lassen.

Die regulierende Versicherung wird eine fiktive Abrechnung immer bevorzugen, da auch für die Versicherung ein gewisses Einsparpotenzial entsteht. Denn bei einer fiktiven Abrechnung wird die ausgewiesene Mehrwertsteuer nicht erstattet, der Geschädigte erhält die Reparaturkosten netto.

Hinweis zur fiktiven Abrechnung:
Aufgrund einer Gesetzesänderung vom 01.08.2002 (§ 249 BGB), fällt der für die Schadensbeseitigung erforderliche Herstellungsaufwand bei fiktiver Abrechnung (Abrechnung auf Gutachtenbasis) als Nettobetrag an.

Was müssen Sie bei einer fiktiven Abrechnung beachten?

Grundsätzlich ist eine fiktive Abrechnung der Reparaturkosten nur dann möglich, wenn kein Totalschaden vorliegt. Die Reparaturkosten müssen unterhalb des Wiederbeschaffungswertes liegen. Ein weiterer Punkt, der mit einer fiktiven Abrechnung einhergeht, ist die Kürzung durch die Versicherung von gewissen Positionen, die bei dieser Abrechnungsmethode nicht zwingend anfallen. Die Versicherer prüfen bei fiktiver Abrechnung grundsätzlich jedes Gutachten mithilfe sogenannter Prüffirmen.

Hier werden meist kleinere Positionen standardmäßig gestrichen und somit nicht erstattet. Meist liegen diese Kürzungen im Bereich von ca. 10% – 20% der ermittelten Nettoreparaturkosten. Oftmals werden jedoch Kürzungen vorgenommen, die nicht gerechtfertigt sind. Hier kann sich der Geschädigte durch Hinzuziehen eines Rechtsanwaltes vor solch einer Vorgehensweisen schützen. Sollten gegebenenfalls größere Kürzungen vorgenommen worden sein, kann Ihnen der Sachverständige zu den technischen Aspekten eine Stellungnahme verfassen.

Unser Tipp für eine fiktive Abrechnung:
Um ungerechtfertigten Kürzungen vorzubeugen, sollten Sie bei einer fiktiven Abrechnung immer einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens einschalten!

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