Wirtschaftlicher Totalschaden bei einem Kfz

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Was ist ein wirtschaftlicher Totalschaden?

Ein Totalschaden entsteht, wenn der entstandene Sachschaden an dem Fahrzeug nicht mehr behoben werden kann, oder eine Reparatur nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Schwere des Schadens ermittelt der Kfz-Gutachter im Rahmen der Gutachtenerstellung. Der Anspruch auf Wiederherstellung verwandelt sich dann in einen Anspruch aus Geldersatz.

Es gibt drei Arten von Totalschäden:

1Technischer Totalschaden
Von einem technischen Totalschaden spricht man, wenn die Beschädigungen an dem Fahrzeug so erheblich sind, dass die Wiederherstellung des vorherigen Zustandes nicht mehr möglich ist bzw. wenn dies einen unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde. Der Restwert des Wagens liegt hier in der Regel bei null Euro.

2Wirtschaftlicher Totalschaden
Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor, wenn die ermittelten Reparaturkosten den Fahrzeugwert übersteigen. Aus finanzieller Sicht lohnt sich eine Reparatur in diesem Fall nicht mehr.

3Unechter Totalschaden
Von einem unechten Totalschaden ist die Rede, wenn dem Geschädigten die Reparatur nicht zugemutet werden kann, obwohl die Summe aus Minderwert und Reparaturkosten geringer ist als die Differenz zwischen Wiederbeschaffung und Restwert. Haben Sie ein Neufahrzeug (Laufleistung bis 1.000 Kilometern und einen Monat seit Erstzulassung), das in seiner Substanz stark beschädigt wurde, liegt ein unechter Totalschaden vor. Hier haben Sie als Geschädigter das Recht, auf Totalschadenbasis abzurechen.

Was ist unter einem wirtschaftlichen Totalschaden zu verstehen?
Wirtschaftlicher Totalschaden

Weitere Fragen zum Thema Totalschaden:

  • Was versteht man unter einem wirtschaftlichen Totalschaden?
  • Was zahlt die Versicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden?
  • Was zahlt die Kasko bei Totalschaden?
  • Was ist ein wirtschaftlicher Totalschaden beim Auto?

Wie wird ein Totalschaden bei der Versicherung abgerechnet?

Hat der Gutachter einen wirtschaftlichen Totalschaden diagnostiziert, können Sie Ihr Fahrzeug zum ermittelten Restwert verkaufen. Die Versicherung zahlt Ihnen die Differenz aus Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert aus. Mit dem Erlös aus dem Fahrzeugverkauf und der Zahlung der Versicherung, soll Ihnen als Geschädigtem ermöglicht werden, ein gleichwertiges Fahrzeug wieder zu beschaffen.

Zum Beispiel:

Der Wiederbeschaffungswert für Ihr Auto (Fahrzeugwert vor dem Unfall) liegt bei 6.000,-€. Nach dem Unfall ist Ihr Kfz nur noch 500,- € wert (Restwert). Die Kosten für die Reparatur belaufen sich laut Gutachten auf 10.000,- €.

Die Versicherung zahlt nun:
Wiederbeschaffungswert 6.000,- € abzüglich Restwert 500,- € = 5.500,- €

Sonderfall 130% Regel

Bei der Regulierung auf Totalschadenbasis gibt es bei den Versicherungen eine Ausnahme. Wenn das Fahrzeug trotz eines wirtschaftlichen Totalschadens noch repariert werden soll, besteht für den Geschädigten die Möglichkeit auf Kostenübernahme durch die Versicherung. Voraussetzung hierfür ist, dass die veranschlagten Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert höchstens um 30% übersteigen.

Die Versicherung knüpft an diese Sonderregelung jedoch Bedingungen. Die 130%- Regel greift nur wenn:

  • die Reparatur laut Kfz-Gutachten durchgeführt wird
  • eine Rechnung über die Instandsetzung gemäß Gutachten muss bei der Versicherung vorgelegt werden
  • das Unfallfahrzeug muss nachweislich mindestens weitere 6 Monate genutzt und versichert werden

Was sollte bei der Abrechnung eines Totalschadens noch beachtet werden?

Sollten Sie im Rahmen der Regulierung Ihr verunfalltes Fahrzeug verkaufen, haben Sie für die Dauer der Wiederbeschaffung eines Ersatzfahrzeuges (in der Regel maximal 14 Tage) Anspruch auf einen Mietwagen. Lesen Sie hierzu auch unsere Begriffserklärung zur Wiederbeschaffungsdauer.

Nehmen Sie den Mietwagen nicht in Anspruch, können Sie auch eine Nutzungsausfallentschädigung bei der gegnerischen Versicherung fordern. Zu dem erstattet die Versicherung angefallene Kosten für die Fahrzeuganmeldung und Fahrzeugabmeldung sowie ggf. Entsorgungskosten.

Hinweis: Bitte beachten Sie die abweichenden Regelungen im Kaskoschadenfall.

Sie haben Fragen zum Thema wirtschaftlicher Totalschaden, oder benötigen ein Gutachten?

Umbaukosten oder Erneuerungskosten bei einem Totalschaden

Was sind Umbaukosten nach einem Totalschaden?

Liegt der Schadenumfang eines Fahrzeuges über dem eines wirtschaftlichen Totalschadens, so ergibt sich häufig die Frage, ob Sonderbauteile, wie hochwertige Audio- und Hifi-Anlagen, Regalsysteme, Anhängerkupplungen etc., mit in den Wiederbeschaffungswert eingerechnet werden sollen. Diese Bauteile sind oftmals noch zur Weiterverwendung geeignet und viele Fahrzeugbesitzer wollen diese Teile in das Folgefahrzeug mitnehmen.

Beides ist möglich. Jedoch müssen Sie sich vor der Gutachtenerstellung für eine Variante entscheiden. Entweder sollen die Sonderumbauten auf den Wert Ihres Fahrzeugs aufgeschlagen werden oder die Teile sollen in ein neues Fahrzeug umgebaut werden.

Erste Variante: Die Sonderumbauten sollen im Wiederbeschaffungswert berücksichtigt werden

Sie haben sich dafür entschieden, dass alle von Ihnen angeschafften Sonderumbauten wie zum Beispiel Radio, Anhängerkupplung oder Standheizung, im beschädigten Fahrzeug verbleiben sollen und nicht umgebaut werden. Dies müssen Sie dem Sachverständigen bei Erstellung des Gutachtens mitteilen. Der Sachverständige wird sodann Ihre Zubehörteile im Wiederbeschaffungswert werterhöhend berücksichtigen.

Der Wert Ihres Fahrzeugs wird so ermittelt, dass Sie sich ein vergleichbares Fahrzeug mit ähnlichen Sonderumbauten wiederbeschaffen können. Jedoch müssen die Teile dann im Fahrzeug verbleiben und können nicht ausgebaut werden. Diese Sonderumbauten werden auch Bestandteil des ermittelten Restwertes.

Zweite Variante: Sie möchten die Zusatzausstattung in Ihr neues Fahrzeug umbauen

Sie haben sich dafür entschieden, dass alle von Ihnen angeschafften Zubehörteile wie zum Beispiel Regalsystem, Hi Fi Anlage oder Anhängerkupplung, in Ihr neues Ersatzfahrzeug umgebaut werden sollen. Auch hier ist es wichtig, den Sachverständige über Ihren Wunsch zu informieren. Die Wertermittlung erfolgt dann ohne Berücksichtigung der von Ihnen eingebauten Zubehörteile.

Jedoch wird hier gesondert von dem Sachverständigen aufgeführt, dass entsprechende Zubehörteile in ein neues Fahrzeug umgebaut werden. Die Kosten für den Ausbau aus dem Altfahrzeug und den Einbau in das Ersatzfahrzeug müssen dann ermittelt und ausgewiesen werden.

Wer trägt die Umbaukosten nach einem Totalschaden?

Die Umbaukosten müssen vom Unfallgegner bzw. dessen Versicherung erstattet werden. Nach Meinung einiger Gerichte, müssen diese durch Rechnungen oder Belege konkret nachgewiesen werden. Selbstverständlich ist es gestattet, diese Sonderbauten in Eigenleistung in Ihr neues Fahrzeug umzubauen.

Um jedoch den geschätzten Betrag für den Umbau von der Versicherung zu beanspruchen, sollten Sie hier einen Fotonachweis als Beweis vorlegen können, welcher das Radio oder das Regalsystem im neuen Auto zeigt. In diesem Fall würde die gegnerische Versicherung dann die geschätzten Umbaukosten fiktiv ohne Rechnung an Sie erstatten.

Was sind Erneuerungskosten nach einem Totalschaden?

Erneuerungskosten sind ähnlich zu betrachten wie Umbaukosten. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass hier spezielle Einbauten, Werbebeklebungen oder Zubehörteile, wie Tönungsfolien, nicht zerstörungsfrei aus dem beschädigten Fahrzeug ausgebaut werden können und folglich neu angeschafft werden müssen. In diesen Fällen kalkuliert der Sachverständige separat ausgewiesen Erneuerungskosten, die zusätzlich anfallen, wenn Sie Ihr neu beschafftes Fahrzeug identisch ausstatten wollen. Der häufigste Fall für ausgewiesen Erneuerungskosten sind Werbebeschriftungen an Firmenfahrzeugen.

Bei einem eingetretenen Totalschaden können die Werbefolien selbstverständlich nicht einfach von dem beschädigten Fahrzeug abgelöst werden und auf das neue Fahrzeug aufgebracht werden. Hier ist es demnach nötig, die Werbebeschriftung neu anfertigen zu lassen und an dem Ersatzfahrzeug anzubringen. Die Kosten hierfür müssen vollumfänglich von dem Schädiger bzw. der gegnerischen Versicherung erstattet werden. Voraussetzung hierfür ist ein entsprechender Rechnungsnachweis.

Sie haben Fragen zu Umbaukosten oder Erneuerungskosten nach einem Totalschaden?

Wirtschaftlicher Totalschaden bei einem Kfz | Autor: Kfz-Gutachter Dipl-Ing (FH) Moritz Zwez | aktualisiert am